Sonntag, 16. Dezember 2012

Schon lange In: Familienchristbaumschmuck ♥

Ich bin dieses Wochenende zu meinen Eltern gefahren. Wir alle sind total geflasht davon, dass die Adventszeit nächste Woche schon vorüber ist! 
Meine Mutter (Eingeweihte erinnern sich: Frau "Fetzig") und ich haben gestern mal unsere Abstellkammer nach dem Baumschmuck durchsucht, um gegebenenfalls einzelne Stücke austauschen zu können, so lange noch Zeit ist... 
Und dabei sind wir auf den Christbaumschmuck meiner Oma gestoßen.
Das sind wunderschöne alte Stücke, teils aus den Fünfzigern. Sie sind ohne Ausnahme alle angedellt, man sieht ihnen die Feste an, die sie auf dem unnatürlich gerundeten Buckel haben. 



Für mich haben sie großen sentimentalen Wert - Weihnachten bei meiner Oma war immer der Teil des Festes, bei dem es am wenigsten um Geschenke ging. Wir saßen in der warmen Wohnstube, haben Plätzchen gegessen und durften aus den guten Weingläsern Zitronensprudel trinken. Beides - Weingläser und Zitronensprudel - gab es nur an zwei Tagen des Jahres, an Weihnachten und am Geburtstag. Es war also eine große Sache. 



Der Baum meiner Oma war immer bunt und glitzerig geschmückt. Meine Schwester und ich durften uns an Omas Baum austoben, meine Großeltern fanden es süß, wie wir unsere bunten Mädchenträume an diesem Baum realisiert haben. Er war immer größer als der Baum bei meinen Eltern, und Opa hat traditionell den Stern an die Spitze gesteckt. Jedes Jahr.


 All diese Erinnerungen kamen hoch beim Anblick der alten Kugeln. 
Mein Opa ist schon lange tot und einen Weihnachtsbaum hatte meine Oma schon lange nicht mehr. Zumindest keinen richtig großen - sie bekommt von mir einen kleinen Baum im Topf, aber pssst - das soll eine Überraschung sein.
Weihnachten war immer schön bei uns. Die legendären Weihnachtskräche gab es bei uns nie, sogar wir Kinder haben uns vertragen - hauptsächlich deshalb, weil man uns drohte, das Christkind würde unsere Geschenke wieder mitnehmen, es sei nämlich noch immer draußen unterwegs. 
Eine bedrohliche Vorstellung. 

Und das waren meine Lieblingsstücke. Klar, die Rosane. Ich bin ein Mädchen, sorry. 
Die Weiße mit den zarten Glitzerzeichnungen.
Die Gelbe, weil ich als Kind dachte, das wäre Gold.

Die Teile sind nicht gut in Schuss, aber immerhin sind sie noch ganz. Ich betrachte die Macken und Wachsreste als Kampfnarben - sie haben immerhin schon meine Mutter durch ihre Kindheit begleitet.

Ich mag Dinge mit Geschichten. Ich ziehe Menschen mit Dellen und Rissen denen mit glatter Oberfläche vor, oder besser: denen, die eine glatte Oberfläche vorspiegeln. Dass jeder von uns Dellen hat, steht für mich außer Frage. 
Ich mag die alten Kugeln, eben weil man ihnen ihr Alter ansieht. 
Frau "Fetzig" sieht das zum Glück genauso: dieses Jahr kommen die alten Kugeln zu neuen Ehren bei ihrem großen Comeback an unserem Weihnachtsbaum.

Wie versprochen passiert hier immer mal wieder was. Beachtet bitte in der männlichen Hauptrolle Omas kleinen Baum, der sich zu einem Beinahe-Akt-Shooting überreden ließ!

Ich wünsche euch schöne präapokalyptische Tage. So langsam wird es eng - habt ihr schon Geschenke, für den Fall, dass es mit dem Weltuntergang doch nicht hinhaut? 
Ich denke, ich werde kommende Woche fleißig schreiben, und am Freitag feiern gehen, als ob es mein letzter Tag auf Erden wäre. Wenn er's nicht ist, hatte ich zumindest eine fette fette fette Party.


Alles Liebe 
Kiki

Freitag, 14. Dezember 2012

Pressemitteilung

Ich möchte feststellen - ich habe Livh nicht irgendwo eingesperrt. Und wir haben den Blog auch nicht vergessen; wir sind nur wahnsinnig eingespannt zur Zeit. 

Die Uni frisst die Tage in sich rein, nächste Woche ist schon Apokalypse (Ich spekuliere darauf, meine Arbeit doch nicht abgeben zu müssen, mangels Planet) und irgendwo dazwischen bleiben wir. 

In allen möglich Bereichen stressen grade alle möglichen Dinge und das Bloggen kommt ein bisschen zu kurz - verzeiht! 

Und bleibt uns bitte bitte treu - wir sind bald wieder da! Versprochen. 

Wunderschönste weihnachtliche Tage, Glitzerschnee und Schokocrossies wünscht

Kiki

Freitag, 7. Dezember 2012

Review: Älterwerden

Von diesem Älterwerden habe ich ja schon viel gehört; hauptsächlich Schlechtes, wie ich gestehen muss. Alle haben Angst davor, noch mehr als vor Silikonen im Shampoo oder vor Spliss, aber im Gegensatz dazu gibt es nur eine Möglichkeit, das Altern zu umgehen, nicht wahr.

In meinem zehnten Lebensjahr habe ich festgestellt, dass ich nicht älter werden will. Mir war als Kind absolut bewusst, dass ich nie mehr so viel Freiheit haben würde. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, in einem kleinen Ort, der zwischen mehreren großen Wäldern liegt, an einem Fluss, in dem sich hochwasserbedingt jedes Jahr neue Inseln aus Sand und Steinen bilden. Ich hatte zwei Garnituren Wäsche in Gebrauch: die "guten" Sachen für die Schule und ältere Kleidung für nachmittags. Ich bin stundenlang draußen gewesen, durch die Wälder gewandert oder auch mal im März baden gegangen, weil die Sonne so schön schien. 
Als Kind stand mir ein Königreich zu Verfügung, und ich wusste das. 

Aber dieses Produkt Älterwerden wird einem vom Leben nicht gratis zum Testen zugesandt. Wir haben wahrscheinlich alle bei der Geburt nur "Ich stimme den Nutzungsbedingungen zu" angeklickt, denn wer hat im Stress seiner eigenen Geburt schon Zeit, das Kleingedruckte zu lesen?

Erwartungen
Ich hatte erwartet, dass es mir furchtbar schwer fallen würde, bestimmte Veränderungen meiner physischen Erscheinung hinzunehmen. Ich erwartete Falten über Nacht und Pigmentflecken überall, und dass ich plötzlich zu langsam wäre für die Dinge, die ich gerne tue. Aber ich habe auch erwartet, dass ich mit Mitte 20 verheiratet wäre. Und dass ich klüger wäre und endlich alle anerkennen würden, dass ich Recht habe (denn ich habe Recht. Immer.).

Handhabung
Das ist nicht so leicht. Das Produkt Älterwerden läuft ziemlich langsam an und ist schwierig zu steuern. Mittlerweile kann ich sehr gut nachvollziehen, warum die Volljährigkeit früher mit Abschluss des 21. Lebensjahres begann. Ich befürworte die Volljährigkeit mit 18, aber die andere Version ist für mich inzwischen besser nachvollziehbar geworden. 

Fazit
Man muss sich darauf einlassen. Ich habe mit Zähnen und Klauen um meine Kindlichkeit gekämpft, ich hatte (und habe) tierisch Angst vor Verantwortung für mich selbst, ich meine, ich habe das ja noch nie gemacht. 
Aber wenn man die Zähne zusammenbeißt, klappt das schon. Ich habe gelernt, Schwierigkeiten dann anzugehen, wenn sie tatsächlich da sind - was mich natürlich nicht daran hindert, mir Sorgen zu machen, aber seit ich die ersten "Erwachsenenprobleme" wie Änderung der Steuerklasse oder Krankenkassenwechsel bewältigt habe, bin ich sicherer.

Die beste Änderung ist überraschenderweise mein Körper. 
Ich bin nicht mit ewiger Jugend gesegnet, und das sieht man auch. Ich habe kleine Fältchen, werde krank, wenn ich nicht genügend trinke und meinen Kater sieht man mir an, aber hallo. 
Ich habe kein kindlich schmales Becken mehr, und trotzdem gefällt mir mein Körper heute besser als mit 21, obwohl ich nicht dem gängigen Schönheitsideal entspreche. Ich habe auch angefangen, mich zu weigern.
Ich bin mein eigenes Schönheitsideal.
Es ist nicht so schlimm für mich, Zeichen des Älterwerdens an mir zu sehen, wie ich dachte. 
Gut, gegen das Zähnezusammenbeißen trage ich nachts eine Beißschiene, und wenn ich irgendwo gegenlaufe, dauert die Wundheilung länger als noch vor zwei Jahren, und ich habe schon mein erstes graues Haar entdeckt, aber sonst... ich spüre mich besser. Ich bin mir meiner selbst bewusster.

Und innerlich? 
Ich bin immer noch kindisch, sensibel und verliere mich oft in Gedanken, aber ich glaube nicht mehr, dass mein Schwarm aus Teenagerzeiten irgendwann erkennt, dass ich die einzig Wahre bin.
Ich bin noch immer naiv und leicht zu beeindrucken, aber ich habe gelernt zu hinterfragen und meine eigenen Maßstäbe anzulegen, was nicht heißt, dass ich ihnen gerecht werde.
Ich versuche, das Richtige zu tun, und ärgere mich regelmäßig über mich - ich wäre gern ein bissen unvernünftiger.

Das Beste am Älterwerden ist, dass man erkennt, wo die eigenen Prioritäten liegen. Was ich meiden sollte, wenn ich kann, und was mich glücklich macht; die meisten dieser Glücksdinge begleiten mich schon lange, wie ewiglange Wanderungen. Die Weihnachtslieder, die meine Oma immer mit mir gesungen hat. Aufgaben erledigen. Im Garten sein. 
Manches ist auch neu, und ich wusste nicht, dass es mir guttun würde, wie zum Beispiel Sport. (Ich bin renitent und dickköpfig, also habe ich folgerichtig genau dann mit dem Sport angefangen, als ich nicht mehr gezwungen werden konnte - nach dem Abi.)
Oder Computerspiele durchzocken mit meinem Freund, der auf Zuruf und gegen einen geringen Obolus ein Lied davon singt, wie ich mich gesträubt habe. 
Nähen, häkeln, basteln - hab ich früher gehasst.

Nachkauf?
Hab ich eine Wahl?
Es wäre gelogen, zu behaupten, ich wäre vollständig glücklich mit allem, so wie es ist. Es wäre aber auch falsch, rumzujammern, denn im Großen und Ganzen geht es mir gut, und die wichtigste Lehre, die ich aus diesem Vierteljahrhundert ziehe ist vielleicht, dass schlechte Phasen einfach dazugehören. Dann mache ich die Augen zu, atme tief durch, trinke heißes Wasser und denke an Rilke: "Wer spricht von siegen? Überstehn ist alles.", aber ich denke auch an das "Königslied": "Darfst das Leben mit Würde ertragen,/nur die Kleinlichen machen es klein".

Älterwerden klingt schlimmer, als es tatsächlich ist. Der Medienhype um mögliche Vermeidungsstrategien sollte geflissentlich ignoriert werden.

So. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt - da sind ein paar Inseln, auf denen ich noch nicht war. 

Kiki